Dipl.-Ing. Klaus Hafer |

Abdichtungen, Reaktionsharz

Gem. Fachregeln des Dachdecker­handwerks muss bei einer unterlauf­sicheren Abdichtung die Fläche mit einem Reaktionsharz nach ZTV-ING versiegelt werden. Dazu wird ausgeführt:

„Die Material­verträglichkeit zwischen Grundierung, Versiegelung, Kratzs­pachtelung und Abdichtung muss gegeben sein.“

Dazu muss Folgendes festgehalten werden:

  1. Im Bereich von Grundierungen wird ein Reaktionsharz in einer Menge von 300 g bis 500 g pro Quadratmeter durch flutende Sättigung aufgetragen (Aufgießen und Verteilung mit einem weichen Gummischieber).
  2. Beim Einsatz einer Versiegelung, wie die Fachregel fordert, werden erst einmal 400 g je Quadratmeter aufgebracht und in einem zweiten Arbeitsgang mind. 600 g je Quadratmeter. Die Gesamtdicke darf somit nur bei wenigen Millimetern liegen.
  3. Dabei wird jetzt vom Dachdecker gefordert, dass er eine Versiegelung aufbringen soll und diese auch nur sehr dünn. Sehr häufig wird – wie bei Brücken­schäden festgestellt – die Versiegelung zu dick aufgebracht und auch die zeitlichen Abläufe werden nicht eingehalten.
  4. Bei einer Grundierung darf das Reaktionsharz max. 5 bis 10 Minuten trocknen und muss dann mit einem Quarzsand der Lieferkörnung 0,2 bis 0,7 abgestreut werden, wobei hier nicht mit Überschuss abgestreut werden darf. Dies müsste berücksichtigt werden.
  5. Der Dachdecker muss auch berück­sichtigen, dass kein Feuchtigkeitseintrag erfolgt. Das heißt, es müssten Zelte gebaut werden oder die Arbeiten dürfen nur vorgenommen werden, wenn kein Regen zu erwarten ist. Ansonsten wird sich das Reaktionsharz weiß verfärben und die ganze Konstruktion kann wieder abgefräst werden.
  6. Hinsichtlich der Verbundabdichtung, die die Fachregel fordert, verweise ich auf die ZTV-ING, die Folgendes ausführt:
    „Beim Aufschweißen der Bitumen-Schweißbahn muss eine zwangsgeführte, über die ganze Rollenbreite gleichmäßig wirkende Wärmequelle mit Windschutz verwendet werden. Die Flammen sind so zu richten, dass sowohl die Unterlage erwärmt, als auch so viel Klebemasse von der Bahnunterseite abgeschmolzen wird, dass beim Abrollen der Bahn vor der Rolle eine flüssige Wulst verläuft. Unmittelbar nach dem Aufschweißen immer noch flüssiger Zustand der Klebemasse ist die Bitumen-Schweißbahn maschinell oder mit einem geeigneten Werkzeug, z. B. Druckholz, anzudrücken.“
    Hierbei handelt es sich um eine klassische Bauwerks­abdichtung, die üblicher­weise nicht von Dachdeckern ausgeführt wird. Insbesondere stelle ich persönlich mir den Windschutz sehr schwierig vor auf den großen Abdichtungsflächen.
  7. Anschließend muss dann ja, um die Forderung der Flachdachrichtlinie zu erfüllen, eine komplette Überarbeitung erfolgen. Das heißt, es muss mit einer Kette die Fläche abgeklopft werden, damit auch die fehlende Adhäsion im Bereich der Dichtungs­schicht festgestellt und überarbeitet werden kann.

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