Dipl.-Ing. Klaus Hafer |

Stellung eines Sachverständigen

Bezüglich des Sachverständigen­wesens in Verbindung mit der Beurteilung der Sach­verständigen-Gutachten durch Rechts­anwälte stellt sich dem öffentlich bestellten und vereidigten Sach­verständigen mittlerweile sehr häufig die Frage.

Bei dem „öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen“ handelt es sich um einen geschützten Titel, den nur ein Sachverständiger tragen darf, der auch tatsächlich bestellt worden ist. Eine solche Bestellung kann

  • vor einer Architekten- und Ingenieurskammer,
  • vor einer Handwerkskammer
  • vor einer Industrie- und Handelskammer,
  • vor einer Landwirtschaftskammer
  • oder durch das Regierungs­präsidium eines Landes erfolgen.

Ein öffentlicher und vereidigter Sachverständigter unterliegt den Grund­pflichten

  • Objektivität,
  • Unparteilichkeit und
  • Weisungsfreiheit,

und muss einen diesbezüglichen Eid leisten. Dieser schafft Vertrauen dafür, dass die öffentlich bestellten und vereidigten Sach­verständigen bei Gerichts­verfahren zur Erstellung eines Gutachtens heran­gezogen werden. Weiter muss der Sachverständige erheblich über dem Durch­schnitt liegende Fachkenntnisse und praktische Erfahrungen haben. Ergänzend muss er die Fähigkeit mitbringen sowohl Gutachten als auch andere Sachverständigen­leistungen wie

  • Beratungen,
  • Überwachungen,
  • Prüfungen,
  • Erteilung von Bescheinigungen, sowie
  • Schiedsgutachterliche und schieds­richterliche Tätigkeiten durch­zuführen.

Dies wird von der Bestellkammer auch geprüft.

Wozu brauchen wir Sachverständige eigentlich noch technischen Sachverstand und Einblicke in mathematische und physikalische Grundgesetze, sowie baupraktische Erfahrung, wenn alle Handwerks­regeln, die sich versuchen im allgemeinen auf alle Materialien zu beziehen, gelten, nur weil sie seit längerem bestehen oder schon seit Jahrzehnten nicht geändert wurden, wie siehe die alte Schallschutznorm oder auch die DIN 18195 für Innen­abdichtungen. Wie kann einem öffentlich bestellten und vereidigtem Sachverständigen der Sachverstand abgesprochen werden, wenn seine Erfahrung ist, dass z. B. eine Schweißnaht bei einer PVC-Folie, bei 18 mm Schweiß­breite genauso lange hält, wie eine 20 mm Schweißnaht, wenn er diese untersucht.

Wie können dann weiter durch Sachverständige allgemein bauauf­sichtliche Zulassungen nicht berücksichtigen, wenn Rechts­anwälte ausführen, dass DIBt Zulassungen nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen, da diese nicht in den Regelwerken enthalten sind.

Verlegerichtlinien von Herstellern, die schon seit Jahrzehnten auf dem Markt sind und hier dann ihre Systeme als System­anbieter verkaufen und auch nach­weislich Erfolge aufweisen, nicht berücksichtigen.

Wobei sich natürlich die Frage stellt, warum hier eine Harmonisierung von Richt­linien und Normen nicht erfolgt, wie z. B. im Bereich der Flachdachrichtlinie zur DIN 18531 oder gar selbst im eigenen Verband, der IFBS-Richtlinie zu den Klempnerrichtlinien.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein öffentlich bestellter und vereidigter Sach­verständiger selbst­verständlich in der Lage sein muss, die Regelwerke zu beurteilen und auf der Grundlage seiner erheblich über dem Durchschnitt liegenden Fachkenntnisse zu beurteilen.

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