Dipl.-Ing. Klaus Hafer |

Technikregeln DIN

Begriffs­erläuterungen

  1. Allgemein anerkannte Regeln der Technik
    1. Für Begriffe gibt es eine Definition in der Rechtsprechung:
      „Bauverfahrens­weisen, die theoretisch (wissen­schaftlich) richtig sind, sich in der Praxis bewährt haben und hinsichtlich beider Merkmale von der überwiegenden Anzahl der Sachverständigen und Ingenieure akzeptiert werden“.
      Dies wird dann auch sehr häufig in Gutachten als anerkannte Regel der Technik wiedergegeben.
    2. Die allgemein anerkannte Regel der Technik – a. R. d. T. – stellt gem. BGH-Urteilen den Mindest­standard dar. Diese allgemein anerkannte Regel der Technik wird bei Vertrags­abschlüssen still­schweigend mit vereinbart.
    3. Die a. R. d. T. grenzt sich zum Stand der Technik – S.d.T. – ab. Der Stand der Technik ist der Entwicklungs­stand von fortschritt­lichen Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen, deren praktische Eignung gesichert ist. Der S. d. T. wird meist ein höheres Sicherheits­niveau gegenüber der a. R. d. T. zugewiesen.
    4. Stand von Wissenschaft und Technik – Dieser ist gleichlautend mit den neuesten wissenschaft­lichen Erkennt­nissen, wie z. B. bei der damaligen Einführung der variablen Dampfsperren.
  2. DIN-Normen
    1. Bei den DIN-Normen handelt es sich hauptsächlich um privatrechtliche Normen mit einem Empfehlungs­charakter, es sei denn, dass diese baurechtlich über die Landes­bauordnung oder über die VV TBs eingeführt sind.
    2. Somit können Normen auf Grundlage ihres Alters nicht den aktuellen technischen Stand darstellen und es müssen evtl. Regel­änderungen berücksichtigt werden. Dabei ist festzuhalten, dass eine DIN-Norm die Vermutung hat, die a. R. d. T. widerzuspiegeln.
    3. Hierbei muss dann im Streitfall der Auftragnehmer den Nachweis erbringen, dass die Norm nicht mehr die allgemein anerkannten Regeln der Technik widerspiegelt.
    4. Bezüglich der Anwendbarkeit von DIN-Normen zu Richtlinien – hier z. B. der Flachdach­richtlinie – ist natürlich der DIN 18531 gegenüber der Flachdach­richtlinie der Vorzug zu geben, da eine DIN-Norm durch ein 25-köpfiges Gremium, bestehend aus Bauherren, Prüfinstituten, Planern, Universitäten, Herstellern, Arbeitern und Sachverständigen, aufgestellt wird.
      Beim Flachdachausschuss, der die Flachdach­richtlinien erstellt, sind hier nur Techniker des Dachdecker­handwerks oder der Bundesfachabteilung für Bauwerks­abdichtung vertreten.
    5. Selbstverständlich ist es so, dass bei jedem Gremium (Flachdach­richtlinie oder DIN 18531) nach den ausführlichen Diskussionen ein Kompromiss zwischen den Mitgliedern z. B. in der DIN 18531, der derzeit aus 25 Personen besteht, erfolgen muss.
    6. Bezüglich der eingeführten technischen Baubestimmungen (ETB), die durch die Musterbauordnung § 3 Abs. 3 vereinbart ist und gem. meinem Kenntnisstand in allen Landes­bauordnungen übernommen wurden, kann der Bauherr davon ausgehen, dass die eingeführten technischen Baubestimmungen auf jeden Fall eingehalten werden.
      Falls hier gegenüber der DIN-Norm, wenn diese neuer ist, Diskrepanzen entstehen, muss der Auftraggeber dies mit dem Auftragnehmer vereinbaren unter der Berücksichtigung einer evtl. Klärung mit den Baubehörden.

Gez. Klaus Hafer

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